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Wildnispädagogik

Die meisten Menschen schotten sich von jeglichem wilden Leben in ihrer Umgebung ab. Wohnungen sind so konzipiert, dass auch die kleinsten Lebewesen ausgeschlossen bleiben. Selbst ein kleines Insekt, das sich in die Wohnung eines Menschen verirrt hat, wird im besten Falle liebevoll mit dem Besen aus dem Fenster geschubst.

Ist es die Angst vor der Andersartigkeit, die nicht zulässt, dass es anderes Leben im Lebensraum der Menschen gibt? Ist es ein Drang zur Alleinherrschaft? Ist der Mensch vollkommen unabhängig von der Natur und ihren Lebewesen? Übersieht er in seiner intellektuellen Überlegenheit, dass alle Geschöpfe eine bestimmte Rolle spielen, um auch unseren Lebensraum im Gleichgewicht zu halten? Und welche Folgen hat das? Welche Rolle hat dabei die Bildung? Können wir nicht auf ganz einfache Weise ein anderes Verhältnis zwischen Menschen und anderen Lebewesen wagen, erleben und gestalten, ohne dass die Natur zu einem rein wissenschaftlichen Untersuchungsobjekt wird?

Eine Antwort auf diese Fragen bietet die Wildnispädagogik, indem sie versucht, am Beispiel der Naturvölker und durch Methoden uralter Wissensaneignung eine tiefe Verbindung zwischen dem Menschen und seiner natürlichen Umgebung wiederherzustellen. So kann er die Natur als seinen eigentlichen Lebensraum erkennen, erkunden und lieben. Der Begriff Wildnis wird im erweiterten Sinne verstanden: Selbst in von Menschen stark veränderten Gebieten wie im Park oder Stadtwald kann uns die Natur viel über sich und auch uns selbst lehren. Die Wildnispädagogik ermöglicht uns, alle Sinne zu schulen, unsere Komfortzone nach draußen zu erweitern und unserer inneren Stimme zuzuhören. Dadurch werden Natur- und Selbstbewusstsein gefördert und wir zum aktiven Teil eines harmonischen Miteinanders in unserem Umfeld, sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft.

Als Väter der Wildnispädagogik gelten Tom Brown Jr. und dessen Schüler Jon Young. Zunächst verbreiteten sich die Initiativen, die die Methoden der Wildnispädagogik umsetzen, in Nordamerika; seit knapp 20 Jahren gewinnen diese zunehmend auch in Europa an Bedeutung.

Im Kontext der frühkindlichen Bildung unterstützt die Wildnispädagogik alle Entwicklungsfelder, darunter mit allen Sinnen wahrzunehmen, konzentriert zu lernen, begeistert zu entdecken und zu spielen, sich die Grundlagen von Gesundheit und Ernährung anzueignen sowie kreativ und körperlich aktiv zu sein. Wildnispädagogik trägt dazu bei, den Kindern (und auch den Erwachsenen) ein nachhaltiges Verständnis und Interesse für Zusammenhänge in Natur und Umwelt zu vermitteln, die für gegenwärtige und zukünftige Generationen vermutlich enorme Herausforderungen bereithalten.

 

Kompetenzen

Wie verhalten wir uns im Wald?

  • Schleichen
  • Schritt-in-Schritt gehen
  • Waldlauschen (zuhören, was der Wald uns sagt)
  • Versuchen, keine Tiere aufzuschrecken
  • Keine Pflanzen beschädigen
  • Achtsamkeit gegenüber dem Umfeld (nicht nur gegenüber meinen Mitmenschen)

 
Was können wir vom Wald lernen? (forschen und entdecken)

  • Beobachtung von Naturgewalten (z. B. was ist nach einem Sturm passiert?)
  • Tiere beobachten und ihr Verhalten nachvollziehen,
  • Natur beobachten (Wachsen, Blühen, Welken in den verschiedenen Jahreszeiten)
  • Kennenlernen der Naturelemente (Erde, Feuer, Luft, Wasser)
  • Klettern, balancieren
  • Erfahren und Aushalten von Stille

 

Welche weiteren Möglichkeiten bietet uns der Wald?

  • Herstellen von Bast (sammeln, waschen, binden)
  • Spuren suchen, finden und konservieren
  • Sammeln von Samen (Bucheckern, Kastanien, Eicheln)
  • Sammeln von Stöcken, Steinen, Blättern
  • Laubhüttenbau